Die AfD und andere rechten Gruppierungen und Medien haben die Kulturpolitik als Kampffeld entdeckt, um ihre völkischen Vorstellungen umzusetzen. Sie arbeiten daran, kulturelle Koordinaten zu verschieben. Kunst ist für sie kein freier Raum diskursiver Auseinandersetzung, sondern eine strategische Ressource für politisches Handeln. Sie streben eine „Kulturrevolution von Rechts“ (Alain de Benoist) an.

Sie stören Veranstaltungen, verhindern Ausstellungen, greifen in Theater-Spielpläne ein, polemisieren gegen die Freiheit der Kunst, gegen Dekoloniale Erinnerungsprojekte und arbeiten an einer Renationalisierung der Kultur. Öffentlich geförderte künstlerische Programme sollen sich nicht mehr in aktuelle Debatten und Diskurse einmischen, sondern vorgegebene Traditions- und Wertebestände vermitteln.

Doch nicht nur die AfD verschiebt den gesellschaftlichen Kontext nach rechts. Die Bundesregierung kürzt die Förderung von Demokratieprojekten, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Wolfram Weimer zensiert und streicht in der Kultur und die CDU hat, trotz anderslautender Äußerungen, längst Forderungen der AfD übernommen.

Rechte Politik, die die Kultureinrichtungen als Akteure einer gesellschaftlichen demokratischen Vision angreift, steht der Kunst der Vielen feindselig gegenüber.

Doch Deutschland ist eine postmigrantische Gesellschaft der Vielen. Immer noch wird diese Tatsache viel zu wenig zur Kenntnis genommen. Der Wiedervereinigung vom 3. Oktober 1990 folgten rassistische Ausschreitungen und Mordanschläge in Rostock, Mannheim, Hoyerswerda, Mölln und Solingen bis zur Terrorserie des NSU. Es folgten Anschläge auf jüdische Friedhöfe und emanzipatorische Projekte. Eine wiedererwachte deutsche Volksgemeinschaft kroch aus den Löchern hervor.

Ist es kurz vor 33, wie es das Zentrum für Politische Schönheit formulierte?

Der Fotokünstler Wolfgang Tillmans beschwor schon vor Jahren den „Kairos-Moment“: Historische Aufgabe der Stunde sei es, die freie gegen die autoritäre Gesellschaftsordnung zu verteidigen. Nur noch Handeln führe zum Erfolg, Nichthandeln dagegen zum Nicht-erfolg.